Donnerstag, 1. August 2013
über Wind und Sturm oder die Verweigerung zu denken
Das erste Mal begegnete mir das Phänomen während der Banklehre. Es war Feierabend und ich wollte gehen, da pfiff mich der Chef zurück: "Sie haben etwas vergessen!" "Was denn?" Fragte ich. "Sie haben ihr Arbeitskörbchen nicht weggeschlossen" antwortete er. "Da liegt nichts drin", erwiderte ich, der Tatsache bewusst, dass Kontodaten der Putzkolonne nicht zugänglich gemacht werden dürfen. "Sie müssen das Körbchen dennoch wegschliessen!" hieß es dann. Und meinen entsetzt fragenden Blick beantwortend: "das steht in der Dienstanweisung!"

Dieser Tage erlebte ich folgendes: Eine Benachrichtigungskarte der Post über ein abzuholendes Einschreiben lag im Briefkasten. Ich legte Benachrichtigungskarte und Personalausweis auf den Tresen der 20 Minuten entfernt liegenden Postfiliale, worauf die Mitarbeiterin das Einschreiben holte und mir aushändigen wollte. Von weitem sah ich schon, dass es sich um ein von mir selbst aufgegebenes Einschreiben handelte, welches offenbar nicht zugestellt werden konnte und deshalb zurückkam. Ich fragte verständnislos und zugegeben etwas ärgerlich, aus welchem Grund der Brief nicht einfach in meinen Briefkasten gelegt wurde. Antwort: "Wir haben mit dem Einschreiben den Auftrag erhalten, vom Empfänger der Sendung eine Unterschrift zu verlangen." "Ich bin aber doch der ABSENDER des Einschreibens. Meine eigene Unterschrift als Empfangsbestätigung nützt mir doch gar nichts." entgegnete ich. "Die Vorschrift ist nunmal, dass bei Einschreiben die Unterschrift des Empfängers erforderlich ist!" Wurde zurückgeraunzt mit einem Gesicht, welches deutlich machte, dass kein Wunsch nach einer weiteren Ergründung des vorliegenden Absender-Empfänger-Verhältnisses besteht.

Sagen wir mal, diese beiden Vorfälle sind gleichzusetzen mit Wind. Mit einer leichten Brise, die als Realsatire gesehen, einen sogar zum Schmunzeln bringen kann...

Wenn aber angesichts bestehender Regeln das Selbst-Denken aussetzt, kann sich das im Extremfall als Sturm ausgeprägen und meines Erachtens gar in einen Genozid münden!

Doch was tun? Ich kann doch nicht der Dame von der Post an den Kopf werfen: "Wegen Leuten, wie Ihnen, konnte Nazideutschland entstehen!"

Ohne Worte



Dienstag, 9. Juli 2013
veloziferisch ( Zusammenzug der Worte "Velocitas" (Eile) und Luzifer)
keine Zeit um eigene Gedanken zu schreiben aktuell. Von daher und in diesem Sinne die erstaunlich aktuellen Gedanken eines meiner Lieblingsdenker:

"Für das größte Unheil unserer Zeit, die nichts reif werden lässt,
muss sich halten, dass man im nächsten Augenblick den vorhergehenden
verspeist, den Tag im Tage vertut und so immer aus der Hand in den
Mund lebt, ohne irgendetwas vor sich zu bringen. Haben wir doch schon
Blätter für sämtliche Tagezeiten! Ein guter Kopf könnte wohl noch
eins und das andere interkalieren. Dadurch wird alles, was ein jeder
tut, treibt, dichtet, ja, was er vorhat, ins Öffentliche geschleppt.
Niemand darf sich freuen oder leiden, als zum Zeitvertreib der
übrigen, und so springt's von Haus zu Haus, von Stadt zu Stadt, von
Reich zu Reich und zuletzt von Weltteil zu Weltteil, alles
veloziferisch."
-- Goethe, Maximen und Reflektionen, Nr. 51



Dienstag, 4. Juni 2013
... und Goethe sagt dazu...
Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung
sein: Sie muss zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen.

-- Goethe, Maximen und Reflektionen, Nr. 545



Montag, 3. Juni 2013
Toleranz
Der Maulwurf hört in seinem Loch
ein Lerchenlied erklingen
und spricht: "Wie sinnlos ist es doch,
zu fliegen und zu singen"!


von Emanuel Geibel



Sonntag, 12. Mai 2013
Frage
Wieso eigentlich sind Produkte mit einem geringeren Fertigstellungsgrad manchmal teurer, als fertig hergestellte Produkte?

Rispentomaten? Die wachsen doch immer an Rispen - nur hat man sie vor dem Verpacken nicht abgepult.

Naturtrüber Apfelsaft? Hier wurde einfach ein Filterschritt weggelassen.

Orangensaft mit Fruchtfleisch? Ebenda.

Oder verstehe ich da was falsch?

Ohneworte.



Mittwoch, 8. Mai 2013
Stunde Null
es ist ein schönes Gefühl, die dunkle Zeit in Deutschland heute schon 68 Jahre hinter sich gelassen zu haben.

"Die Zeit heilt alle Wunden".

Wikipedia sagt zur Wundheilung: "Die Blutplättchen treten an die geschädigte Stelle und versuchen sie zu verschließen. In seltenen Fällen entsteht über Exsudation (Flüssigkeitsabsonderung) eine Schorfbildung, was auch den oft mit der Wundheilung einhergehenden Juckreiz auslöst." (...) "Der Durchmesser einer gut granulierenden Wunde schließt sich zu einem Drittel ausschließlich durch Schrumpfung, zu zwei Dritteln durch Neubildung (Zellteilung) von Oberflächenzellen und Zellwanderung"

Auf Deutschland übertragen ist dieser Wundheilungsprozess eine schöne Metapher, die zum Denken anregen kann.

Ohne Worte



Montag, 18. März 2013
Herzlichen Glückwunsch
Liebe Deutsche,

herzlichen Glückwunsch zum Jahrestag der Märzrevolution von 1848!!!

Weiter so in diesem Sinne, auf dem Weg ein tatsächlich demokratisches Land zu werden.

Gut Ding will eben Weile haben...


Ohneworte



Montag, 25. Februar 2013
Zur Wahl in Italien
Politik ist lustig!

Und erst recht in Italien...

Ohneworte.



Montag, 11. Februar 2013
Der Papst tritt zurück.
Da er ja der Stellvertreter Gottes auf Erden sein soll, muss Gott jetzt wohl mal selbst ran...

Ich bin gespannt!

Ohneworte



Mittwoch, 30. Januar 2013
These:
Die Weltbevölkerung wächst kongruent zur Intelligenz der Menschen.
Die Landfläche des Planeten beträgt laut Wikipedia 149.430.000 Quadratkilometer. Bei aktuell 7 Milliarden Menschen hätte jeder Mensch also zirka drei Fußballfelder Platz zur Verfügung.

Der Planet will kultiviert werden. Einer alleine kann keine drei Fußballfelder kultivieren. Man bedenke auch die eher unwirtlichen Orte. Also: Wir brauchen mehr Menschen! Deshalb wächst die Weltbevölkerung!
Behält Kant Recht, werden wir Menschen immer schlauer, immer reflektierter und immer differenzierter. Aktuell sind wir noch zu wenig entwickelt, aktuell würde es dem Planeten eher schaden, wenn wir ihn komplett bevölkern würden.

Doch - was muss das in 500 Jahren für ein toller Planet sein...

Ohneworte



Mittwoch, 2. Januar 2013
Alles Gute für 2013!!!
So, da hat man uns jetzt ein frisches neues Jahr rausgelegt. 2013 liegt vor uns, frisch und duftend und voller Möglichkeiten.

Dieses Gefühl möchte heute konserviert werden!

Denn vor dem Hintergrund, dass Zeit ein subjektives Phänomen bzw. eine Illusion ist, spricht alles dafür, einfach jeden Morgen aufs Neue mit dem oben beschriebenen Gefühl aufzustehen.

Ohne Worte.



Montag, 17. Dezember 2012
Einkauf
zuletzt standen auf meinem Einkaufszettel noch

- Duschgel
- Tee
- vegetarischer Brotaufstrich

Witzige Erfahrung:

Man kann für alle diese Produkte drei bis vier Mal mehr ausgeben als erforderlich. Der Aufpreis ist für die Versprechungen auf der Verpackung. Das Duschgel wünscht einem einen gelungen Tag ("Happy Day" oder "Glory Morning"), der Tee verspricht "Glücksmomente" oder "Seelenmassage" und der Brotaufstrich verheisst gar "Sexual Healing".

Sind wir so blöd? Oder werden wir nur für so blöd gehalten?

Ohne Worte



Samstag, 15. Dezember 2012
Massaker an Schule in Newtown
Jedes Jahr sterben etwa 8,8 Millionen Menschen, hauptsächlich Kinder, an Hunger (Stand 2007)*.

Wer kann mir bitte erklären, aus welchem Grund bei 27 Toten sämtliche Politprominenz in öffentlichen Beileidsbekundungen fast in Tränen ausbricht?

Ohne Worte


* Quelle: Wikipedia



Donnerstag, 13. Dezember 2012
Zeitungssterben?
wenn Tageszeitungen pleite gehen, kann das auch an dem Internet liegen.

Es kann aber auch daran liegen, dass die Inhalte sich nicht an dem Bedürfnis orientieren, den Leser aufzuklären, sondern an dem Bedürfnis, für Werbekunden attraktiv zu sein.

Dass die Zeitungen für den aufklärungshungrigen Menschen zunehmend unattraktiv werden ist dann doch irgendwie auch eine gute Nachricht.

Ohneworte